
Der Wolgaster Maler Philipp Otto Runge (1777-1810) gilt als Mitbegründer der Romantischen Kunst in Deutschland und ist neben Caspar David Friedrich der wichtigste Vertreter der Norddeutschen Frühromantik. Runge konzipierte ein kugelförmiges Farbensystem, welches bis heute gebräuchlich ist, und entwarf als erster die spiegelverkehrten Bilder auf dem französischen Kartenblatt. Mit seinem Gemälde „Die Hülsenbeckschen Kinder“ schuf er das „berühmteste Kinderbild der deutschen Kunstgeschichte“ (Jörg Traeger). Das Rungehaus in Wolgast erinnert an den bedeutendsten Sohn der Stadt.
Auch schrieb Ph. O. Runge das norddeutsche Volksmärchen „Von den Fischer un syn Fru“ in pommerschem Platt auf und regte damit die Gebrüder Grimm zu ihrer Märchensammlung an. Vielleicht hat Runge das Märchen in Freest oder einem anderen Fischerdörfchen am Peenestrom aufgeschnappt. Wer weiß?
Anbei folgt eine Kürzestversion des Märchens – mit positivem Ende und opp Platt:

De Fischer Teppich un syn Fru
Dar wör mal eens en Fischer un syn Fru, de waanden tosamen in’n Pissputt, dicht an de See, un de Fischer güng alle Dage hen un angeld: un he angeld un angeld.
So seet he ook eens by de Angel und seeg jümmer in dat blanke Wader henin: un he seet un seet.
Do güng de Angel ton Grund, deep ünner, un as he se herup haald, so haald he enen grooten Butt heruut. Do säd de Butt to em: „Hör mal, Fischer, ik bidd dy, laat my lewen, ik bün keen rechten Butt, ik bün’n verwünschten Prins. Wat helpt dy dat, dat du my doot maakst? I würr dy doch nich recht smecken. Sett my wedder in dat Water un laat my swemmen.“
„Nu“, säd de Mann, „du bruukst nich so veel Wöörd to maken, eenen Butt, de spreken kann, hadd ik doch wol swemmen laten.“ Mit des sett he em wedder in dat blanke Water, do güng de Butt ton Grund und leet enen langen Stripen Bloot hinner sich. So stünn de Fischer up un güng nach syne Fru in’n Pissputt.
„Mann“, säd de Fru, „hest du hüüt niks fungen?“ – „Ne“, säd de Mann, „ik füng enen Butt, de säd, he wöör en verwünschten Prins, da hebb ik em wedder swemmen laten.“ – „Hest du dy denn niks wünschd?“ söd de Fru. „Ne“, säd de Mann, „wat sull ik my wünschen?“ – „Ach“, säd de Fru, „dat is doch äwel, hier man ümmer in’n Pissputt to waanen, dat stinkt un is so oll. Du haddst uns doch ene lütte Hütt wünschen kunnt. Ga noch hen un roop em. Segg em, wy wählt ‘ne lütte Hütt hebben, he dait dat gewiss.“ – „Ach“, säd de Mann, „wat sull ich door noch hengaan?“ – „Du haddst em doch fungen, un hest em wedder swemmen laten, he dait dat gewiss. Ga glyk hen.“ De Mann wull noch nicht recht, wull awerst syn Fru ook nicht to weddern syn un güng hen na der See.
As he door köhm, wöör de See gans gröon un geel. So güng he an dat Wader und säd:
„Mantje, Mantje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in de See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will.“
Do köhm de Butt answemmen un säd: „Na, wat will se denn?“ – „Ach“, säd de Mann, „ik hebb di doch fungen hatt, nu säd min Fru, ik hadd my doch wat wünschen sullt. Se mag nich meer in’n Pissputt waanen, se wull gern ‘ne Hütt.“ – „Ga man hen“, säd de Butt, „se hett se all.“
Un door sitten sei noch hüt un desen Dag.